Bericht über das Zeitzeugengespräch zum Thema „Leben in der DDR“

Im Rahmen unseres Geschichtsunterrichts bei Frau Bauer fand an unserer Schule ein Zeitzeugengespräch zum Thema „Leben in der DDR“ statt. Zu Gast war Frau Thelen, die ihre Kindheit und Jugend in der Deutschen Demokratischen Republik verbracht hat und von ihren persönlichen Erfahrungen aus dem damaligen Alltag berichtete.

Frau Thelen wuchs in Dresden auf und lebte dort zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrer Großmutter. Zum Zeitpunkt des Mauerfalls war sie neun Jahre alt. Bereits zu Beginn des Gesprächs wurde deutlich, dass sie der heute teilweise verbreiteten Ostalgie kritisch gegenübersteht. Ihrer Meinung nach dürfe nicht vergessen werden, dass die DDR eine Diktatur war. Positive Erinnerungen einzelner Menschen könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Staat seine Bürgerinnen und Bürger systematisch überwachte und in ihrer Freiheit einschränkte. Sie betonte, dass diese Aspekte in der heutigen Erinnerungskultur häufig zu wenig berücksichtigt würden.

Ein wichtiger Teil des Gesprächs war die Kinderbetreuung und Erziehung in der DDR. Da es für Frauen nur vier Monate Mutterschutz gab, wurden viele Kinder bereits sehr früh in Kinderkrippen oder Kindergärten betreut. Die politische Erziehung begann schon im Kindesalter, beispielsweise durch Lieder und Rituale im Kindergarten. Frau Thelen berichtete jedoch, dass sie das Glück hatte, einen Platz in einem katholischen Kindergarten zu bekommen, wodurch sie weniger stark politisch beeinflusst wurde.

Auch im Schulalltag spielte Politik eine große Rolle. Alle Kinder besuchten zunächst gemeinsam die Schule bis zur neunten Klasse. Der weitere Bildungsweg hing dann stark davon ab, ob man Mitglied in einer Jugendorganisation wie den Jungpionieren, den Thälmannpionieren oder der FDJ war. Zwar gab es offiziell keine Pflicht zum Beitritt, wer sich jedoch dagegen entschied, musste mit Nachteilen rechnen, zum Beispiel beim Übergang auf das Gymnasium. Eine freie Berufswahl, wie wir sie heute kennen, existierte nicht, da die DDR eine Planwirtschaft hatte und Ausbildungsplätze nach staatlichem Bedarf vergeben wurden.

Sehr eindrücklich waren vor allem Frau Thelens Schilderungen aus dem Alltag. Viele Produkte waren nur schwer oder gar nicht erhältlich. Einige Lebensmittel, wie etwa Orangen, gab es nur zu bestimmten Zeiten im Jahr. Zwar litten die Menschen in der DDR nicht unter Hunger, jedoch fehlten Auswahlmöglichkeiten und persönliche

Freiheiten, was den Alltag stark einschränkte. Auf ein Auto – dem Trabant – musste man oft viele Jahre warten. Die Mieten waren zwar sehr niedrig, dafür waren viele Alltags- und Luxusgüter knapp oder teuer. Offiziell gab es keine Arbeitslosigkeit, dennoch kam es vor, dass Betriebe nicht arbeiten konnten, weil Materialien fehlten.

Besonders nachdenklich machten uns die Berichte über die allgegenwärtige Überwachung durch die Stasi. Frau Thelen erzählte, dass auch ihre Mutter überwacht wurde und als inoffizielle Mitarbeiterin angeworben werden sollte. Besonders beängstigend sei gewesen, dass selbst Nachbarn oder Bekannte Spitzel sein konnten, was zu großem Misstrauen führte. Politische Meinungen konnten nicht offen geäußert werden, da es keine Meinungsfreiheit gab. Viele Menschen überlegten daher genau, was sie sagten und wem sie vertrauten.

Anhand eines Beispiels aus der Nachbarschaft zeigte Frau Thelen außerdem, wie hart der Staat gegen Kritiker vorging. Eine junge Frau wurde nach einer Protestaktion verhaftet, ihre Kinder von ihr getrennt und in ein Heim gebracht. Erst später wurde die Familie durch die Bundesrepublik freigekauft. Solche Schicksale seien in der DDR keine Einzelfälle gewesen und machten deutlich, dass die Auswirkungen des Systems auch Kinder und Jugendliche stark prägten.

Trotz aller Einschränkungen berichtete Frau Thelen, dass viele Kinder dennoch eine relativ normale Kindheit mit Freunden, Feiern und gemeinsamen Erlebnissen hatten. Der Zusammenhalt unter den Menschen sei jedoch oft ein Zweckzusammenhalt gewesen, da man aufeinander angewiesen war. Gerade dieser Gegensatz zwischen dem persönlich als normal erlebten Alltag und politischer Unfreiheit machte das Zeitzeugengespräch besonders eindrucksvoll.

Am Ende des Gesprächs betonte Frau Thelen, wie wichtig es sei, sich auch heute kritisch mit der DDR-Vergangenheit auseinanderzusetzen und sie nicht zu verharmlosen. Demokratie und Meinungsfreiheit seien keine Selbstverständlichkeit und müssten geschützt werden. Das Zeitzeugengespräch hinterließ bei uns einen bleibenden Eindruck, da es die historischen Inhalte aus dem Unterricht durch persönliche Erfahrungen ergänzte und die Geschichte der DDR dadurch greifbarer machte.